Krebs gehörte nicht zu meiner Lebensplanung

Wenn der Himmel über dir zusammenbricht, dann kann es sein, dass du die Diagnose Prostatakarzinom (Prostatakrebs) bekommen hast. Das ist ein bösartiger Krebs, der es auf deine Prostata abgesehen hat – also auf deine Männlichkeit. Das will keiner haben. Ich wollte das natürlich auch nicht. Glaubt mir.

Wenn du diese Krebs-Diagnose bekommst, dann liegst du erst einmal am Boden (Krebs bedeutete für mich Tod). Du hast keine Ahnung was los ist. Du hast einfach nur blanke Angst. Wie geht es mit deinem Job weiter, kannst du noch neue Projekte annehmen … das ganze Leben kommt zum Stillstand. Du kannst nichts mehr planen, weil du einfach nicht weißt, wie das mit dem Krebs weitergeht. Du bist wie gelähmt weil du einfach nicht weißt, ob du das überlebst und wie dein Leben weitergehen wird.

Ich glaube, dass jeder Krebspatient diese oder ähnliche Gedanken hat. Egal ob du prominent bist oder ob du Otto-Normal bist. Krebs, egal welcher, ist einfach nicht lustig.

So, ich habe jetzt (1.10.2016) jedenfalls beschlossen, dass ich keinen Krebs mehr habe. Es sind jetzt gut 6 Monate her seit der OP und die 1/4 jährlichen PSA Untersuchungen verliefen ohne Befund. Ja und daher nun mein Entschluss. Jetzt geht es wieder auf/zurück ins normale Leben.

 

 

Das Leben war so schön

An alles hatte ich gedacht – kurze Krankheiten, Arm oder Bein gebrochen, mal ne Woche oder so im Krankenhaus, etc. Aber Krebs hatte ich nicht auf der Liste. Dabei hatte ich die Internet-Krise 2002 und die darauf folgende Wirtschafts- und Finanzkrise mehr oder weniger gut überstanden. Auch hatte ich die Ich AGs, die Schülerfirmen und die Phase mit den absoluten Dumpingpreise ganz vernünftig überlebt. Nicht schlecht bis dahin. Ich hatte alles, was man braucht, musste nicht immer gleich nach dem Preis fragen, ist auch mal in Urlaub gefahren … es gibt schlimmeres.

Ich war zwar weit weg vom Millionär, aber man kann mit Fug und Recht sagen – gute Mittelschicht.

Ich habe eigentlich die ganzen Jahre seit meiner Geschäftsgründung im Jahr 1999 ganz vernünftig gelebt und überlebt (natürlich ist das meine subjektive Meinung). Ich hab also gelebt und gearbeitet – Vorsorge – warum, man war doch gesund und hatte eigentlich keine Zeit dafür.

Großer Fehler! Aus heutiger Sicht.

Und dann, Anfang 2016 sagte mir mein Urologe „Junge, du hast einen bösartigen Krebs“! Der hat mit dieser Äußerung mein bisheriges Leben einfach zunichte gemacht. Das war am 19.1.2016 – ein katastrophales Datum. Ja und nach dem Aufzählen der üblichen Behandlungsmethoden: 1. Beobachtung (ging nicht mehr), 2. Operation, 3. Bestrahlung entschied ich mich für die Variante Ende mit Schrecken – also die Operation.

 

Wie fing das nun alles an?

Hier mein privater Bericht – von den ersten Anzeichen, den ersten Untersuchungen (warum erst jetzt), von der endgültigen Diagnose – du hast Krebs – über die Operation, die Reha danach und wie es nun weitergeht. Da geht erst einmal eine Tür zu und ich hoffe, dass da auch wieder eine Tür aufgeht.

 

Prostata Krebs[Ich hab hier mal ein paar Bücher zum Thema rausgesucht …] Die ersten Anzeichen (aber nicht als solche erkannt) waren ein rapider Gewichtsverlust im Urlaub 2015. Und das trotz gutem Essen. Ich hatte innerhalb von knapp 3 Monaten mehr als 6 Kilo abgenommen. Wenn man generell schon schlank ist, dann ist das sehr viel Gewicht.

Als erstes habe ich natürlich Dr. Google gefragt – „unerklärlicher Gewichtsverlust“. Dr. Google war der Meinung, dass ich in meinem Körper einen Krankheitsherd haben könnte, der besonders viel Energie verbraucht und dass man einen Arzt aufsuchen sollte. Also ging’s ab zum Hausarzt, der schloss sich meiner „gegoogelten Diagnose an“ und machte ein komplettes Blutbild. Ergebnis: da war nichts. Dann hat Sie noch irgendetwas von PSA Wert gesagt und das der nicht in dem Blutbild enthalten sei und auch noch extra bezahlt werde müsse.

20 EURO wollten die dafür haben.

Also irgendwann im Dezember 2015 hatte ich dann endlich einen passenden Urologen gefunden (es gab da auch Fehlgriffe). Ist ja alles eine sehr intime Sache. Lange Rede kurzer Sinn – ich hatte einen PSA-Wert von 8,5. Ein PSA von 4 wäre wohl noch i.O. gewesen. Danach gab es diverse Bluttests (Schilddrüse und Nieren).

Und dann kam das schlimmste, die Biopsie.

Wer nicht weiß was das ist, einfach mal googeln. Das ist jedenfalls nicht wirklich angenehm. Als der Befund da war, sagte mir mein Urologe: „Junge, du hast Krebs„. Von den 12 gemachten Gewebeproben waren 4 mit Krebszellen befallen. Danach musste ich noch zur Radiologie und ein MRT wurde auch noch durchgeführt. Dabei ging es darum, festzustellen, ob die Knochen oder das Gewebe bereits von den Krebszellen befallen waren. Laut Befund noch nicht. Mit diesen Infos in deinem Kopf liegst du schon am Boden! Nach dem Erläutern der möglichen Behandlungsmethoden habe ich mich letztendlich für die Operation entschieden – alles rausschneiden und  dann hoffentlich Ruhe für immer haben.

Aber weil das ja alles sehr komplex ist wurde mir geraten, mich im Krankenhaus vorzustellen. Klingt logisch.

 

Da keiner weiß, wie eine Operation ausgeht …

standen ab sofort folgende Dinge auf dem Plan:

  • Firma runterfahren
  • mit dem Vermieter reden
  • Krankenkasse informieren
  • die wichtigsten Kunden informieren
  • eMails umleiten
  • offene Rechnungen einfordern (man muss ja irgendwie weiterleben)
  • noch ein paar Rechnungen schreiben

 

Ja, mit neuen Aufträgen ist es nun auf unbestimmte Zeit erst einmal vorbei – du kannst einfach nicht mehr planen. Auf einmal gibt es Fragen wie:

  • geht bei der Operation alles glatt
  • wachst du wieder auf
  • wirst du wieder gesund
  • behältst du bleibende Schäden
  • wie geht es danach weiter

 

Nur mal so zur Info – als Selbständiger verdienst du kein Geld wenn du nicht arbeitest – cool, oder?!

Na jedenfalls wurde ich dann am Mittwoch, den 9. März 2016 8,5 Stunden lang operiert – da gab es wohl noch die eine oder andere Unstimmigkeit in meinen Gedärmen. Und man hat bei der Operation, so nebenbei, noch einen wichtigen Nerv, der für die Steuerung einiger Muskeln meines Oberschenkels verantwortlich ist, gekappt und danach wieder zusammengenäht.

Insgesamt war ich jedenfalls 10 Tage im Krankenhaus.

Naja, ich kann nicht sagen „es war ne schöne Zeit“. Aber das gehört hier nicht wirklich her. Und dein Geist wandelt sich. Alles wird unwichtig, wirklich alles! Es zählt nur noch gesund werden! Wie schnell solch ein Stimmungswandel geht. Aber das kann man natürlich nur nachvollziehen, wenn man selbst betroffen ist.

Über die „netten“ Unannehmlichkeiten, wie das Leben mit zwei Kathetern (Körperflüssigkeit aus meinem Innern und einen aus meiner Blase), will ich hier nicht weiter schreiben. Das ist nicht nett, aber man überlebt es. Außerdem ist ein Krankenhaus kein Hotel – das solltest du wissen.

 

Der nächste Schock

Nach einer Prostata Operation kommst du i.d.R. zur Reha.

Das läuft über die Rentenkasse – oh Schreck. Ihr müsst wissen, das man als Selbständiger neben vielen unnützen Ausgaben einen wahnsinnig hohen Krankenkassenbeitrag zu zahlen hat (Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteil zusammen), plus Miete, IHK Zwangsbeitrag und Rentenversicherung – da versucht man natürlich Kosten zu sparen.

Also habe ich beim Rentenbeitrag gespart und das ist mir natürlich jetzt auf die Füße gefallen.

Die schauen dich alle ganz schön blöd an, wenn du von der Rentenkasse was willst und nicht einen Cent eingezahlt hast. Blödes Gefühl. Aber meine Beiträge aus DDR-Zeiten haben gereicht, um doch zur REHA fahren zu können/dürfen.

Wer hatte schon Krebs auf seiner Rechnung/ Lebensplanung?

Für alle: Krebs kann jeder bekommen, da hilft nichts dagegen. Kein Öko, kein BIO, kein Fitness, etc. Wenn das überhaupt hilft, dann nur bei der Bewältigung deiner Krankheit. Du kommst vielleicht besser über die Zeit.

 

3 Wochen REHA in der HELIOS Klinik in Lehmrade

In Lehmrade haben die HELIOS-Kliniken eine kleine aber feine REHA Klinik in der Krebspatienten „wieder auf Vordermann“ gebracht werden. Viel Action gibt es da nicht – im Gegensatz zu vielleicht den REHA Kliniken in Boltenhagen oder in Klink (Müritz), dafür gibt es aber viel Ruhe, sehr gutes Essen (richtige Hausmannskost) und eine genau so gute medizinische Betreuung. Hier kennt noch jeder jeden – zumindest nach 3 Wochen Aufenthalt. Ich glaub, da sind max. 100 Leute.

Mein Therapie-Plan bestand aus Sachen wie – Beckenbodentraining, Hockergymnastik und ich war in der (Anfänger) Laufgruppe. All diese REHA-Maßnahmen dienten dazu, wieder fit zu werden. Außerdem hatte ich da ein kleines aber feines Einzelzimmer mit einem tollen Fernseher und W-LAN gab’s natürlich auch auf den Zimmern. Was will man mehr?

An den Wochenenden war mehr oder weniger Ruhe angesagt, was zumindest für mich ne gute Sache war. Schlafen, ruhen, wandern, gut essen, das waren für mich sinnvolle Beschäftigungen am Wochenende. Mit den Ärzten, Schwestern und Therapeuten kommt man sehr gut aus (wie man in den Wald reinruft, so schallt es auch raus). Auf alle Fälle kann ich unterm Strich sagen, dass es mir nach drei Wochen REHA besser ging. Aber zu Hause ist eben zu Hause.

Wer also seine Ruhe haben und gesund werden will, der ist in der REHA-Klinik in Lehmrade bestens aufgehoben. Natürlich ist das alles subjektiv, aber es ist ja auch mein Bericht.

 

Und wie geht es nun weiter?

Nun bin ich mittlerweile schon zwei Tage wieder zu Hause und es macht sich ein Gefühl breit so zwischen „froh, wieder zu Hause zu sein und Angst – Zukunftsangst“. Läuft mein Geschäft wieder an? Was macht die Krankenkasse und die Rentenversicherung, kommen meine Bestandskunden wieder zurück, wie entwickelt sich die Sache mit meinem Fatigue-Syndrom (das Ding ist nicht lustig und ein arges Problem für mich) und, und, und.

Das sind schon existenzielle Fragen.

Ich hatte es oben schon mal erwähnt – Selbständige bekommen nur Geld, wenn sie arbeiten. Auch wenn es mir grundsätzlich nichts nützt – ich wurde als nicht arbeitsfähig entlassen – was interessiert das einen Selbständigen.

Außerdem kann ich nur jedem raten, zur Vorsorge zu gehen, sich um seine Altersvorsorge zu kümmern und das alles nicht so auf die leichte Schulter zu nehmen. Denkt daran, Krebs (egal welchen) kann jeder bekommen und je früher man den jeweiligen Krebs entdeckt, je besser sind die Heilungschancen. Und dann muss man noch die Hoffnung haben, das der Krebs nicht wieder kommt und das bei der Operation gründlich gearbeitet wurde. Mein Befund sagt jedenfalls aus – „Krebs besiegt“.

Ich bin mal optimistisch.

 

Meine Wünsche für die Zukunft

Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der diesen Artikel teilt, kommentiert und vielleicht in irgendeiner Form weiter verbreitet. Vielleicht kann ich auch den einen oder anderen dazu ermuntern, zur Krebsvorsorge zu gehen oder sich um seine Rente bzw. seine Zukunft zu kümmern. Oder das Leben nicht ganz so erst zu nehmen, sich mehr um sich zu kümmern.

Bei mir ist es jedenfalls so, dass es momentan viele Dinge gibt, die mich einfach nicht mehr interessieren (Fliege an der Wand) – dafür sind natürlich andere Dinge in den Vordergrund gerückt. Ich versuche jetzt einfach, das Leben zu genießen und mehr auf mich und meine Gesundheit zu achten. Das kann ich nur jedem empfehlen – jetzt und nicht wenn es zu spät ist.

 

Ach so, falls jemand der Meinung ist, er möchte mich unterstützen – jeder noch so kleine Auftrag kann dazu beitragen.